Betreff
Pilotprojekt zur Realisierung eines bedarfsorientierten (on demand) ÖPNV in den Kommunen Olfen und Nordkirchen zur verbesserten Anbindung an den Bahnhof Selm
Vorlage
SV-10-1506
Art
Sitzungsvorlage

Beschlussvorschlag:

 

Die Verwaltung wird beauftragt, das Konzept für eine pilothafte, bedarfsorientierte Anbindung von Olfen und Nordkirchen an Selm Bahnhof weiterzuentwickeln und gemäß der aktuell gültigen Finanzierungssystematik ein Drittel der Kosten zu tragen.


I. Sachdarstellung

 

Zwischen den Kommunen Olfen, Nordkirchen und Selm bestehen aufgrund der räumlichen Lage zueinander enge verkehrliche Verflechtungen. Insbesondere dem Bahnhof Selm mit einem Anschluss an die RB51 in Richtung Dortmund kommt dabei eine zentrale Bedeutung zu. Die heutige ÖPNV-Erschließung des Bahnhofs Selm erfolgt über die beiden TaxiBus-Linien T52 (Nordkirchen) und T57 (Olfen) und ist nicht zufriedenstellend. So sind nach heutigen Fahrplänen Verbindungen zwischen den Orten sehr zeitraubend und mit großen Umwegen oder langen Wartezeiten verbunden. Dies liegt u.a. daran, dass die Linien nicht gut aufeinander abgestimmt sind und Umstiege nur nach langen Wartezeiten machbar sind. Erstes Ziel ist es daher, stündliche Verbindungen zwischen Nordkirchen, Olfen und Selm zu Bedingungen zu ermöglichen, die einerseits Akzeptanz bei den Fahrgästen finden, andererseits wirtschaftlich tragbar sind.

Daher arbeiten der Kreis Coesfeld, die Regionalverkehr Münsterland (RVM) und die Kommunen Olfen und Nordkirchen in enger Abstimmung mit der Stadt Selm, dem Kreis Unna und der Verkehrsgesellschaft Kreis Unna (VKU) an einem Pilotprojekt für ein Konzept eines bedarfsorientierten („on Demand“) ÖPNV-Systems zur effizienteren Erschließung der Fläche und einer verbesserten Anbindung an den Bahnhof Selm.

Ausgehend von den Erfahrungen aus dem BueLaMo Projekt ist für diese Zielsetzung ein auf dem „Hub and Spoke“-System (Selm als Drehkreuz) und dem on Demand-System basierendes Modell entwickelt worden. Neben der Erschließung der Orte und der Zugverbindung nach Dortmund ist ein zweites Ziel, die verbleibenden zeitlichen Spielräume für eine wohnungsnahe Anbindung in den drei Orten zu nutzen. In der Kombination ist es damit möglich, einerseits eine Nahmobilität vor Ort, eine verlässliche und schnelle Verbindung mit den Nachbarorten sowie eine optimale Erreichbarkeit Dortmunds für die Pendlerinnen und Pendler andererseits zu realisieren. Die heute nicht optimalen Erreichbarkeitswerte können so ganz erheblich verbessert werden, zudem soll das Betriebszeitfenster erweitert werden.

Abbildung: Grundidee des on demand-Konzepts Olfen-Nordkirchen-Selm (Grafik: J. Himmelmann, bearbeitet: M. Raabe)

Übernahme des Taxibuslinienangebots

Die zuvor beschriebenen Linienverkehrsangebote in der Hauptverkehrszeit sowie das On-Demand-Angebot in den Randzeiten könnten die bestehenden Taxibuslinien T57 über Olfen und T52 über Nordkirchen ersetzen, wobei die heutige Bedienung von Nordkirchen und Werne durch die T57 noch zu prüfen ist. Dies führt zu Synergien und Einsparungen, da die flexiblere Nutzung des Verkehrsangebots eine effizientere Auslastung der Kapazitäten ermöglicht. Dies ist auch durch den aktuellen Nahverkehrsplan gedeckt, der mit den Maßnahmen ML-IL.3 und ML-IL.4 für beide TaxiBus-Linien Angebotsverbesserungen vorsieht.

Anschluss an den Bahnhof in Selm

Von zentraler Bedeutung für den Erfolg des Gesamtprojektes ist die Ausgestaltung des Bahnhofs Selm als HUB. Dazu ist es erforderlich, die Ankunftszeiten aufeinander anzupassen. Der RB 51 gibt als übergeordnete Linie mit seiner Abfahrt um :35 den Takt für die Zubringer vor. Um einen reibungslosen Übergang zur Bahn zu gewährleisten, beträgt die Umstiegszeit am Bahnhof Selm fünf Minuten, was eine schnelle Weiterfahrt mit der RB51 in Richtung Dortmund ermöglicht. Festgelegte „Ankerhaltestellen“ in Olfen und Nordkirchen sorgen dafür, dass Fahrgäste rechtzeitig am Bahnhof Selm sind und der Bahnhof dort effizient genutzt werden kann. Die Stadt Selm plant zudem, den Bahnhof zu einer attraktiven Mobilstation umzubauen, die eine erhöhte Aufenthaltsqualität und eine verbesserte Verzahnung mit weiteren Verkehrsträgern ermöglichen soll.

Angekündigter Förderaufruf für On-Demand-Ridepooling in Nordrhein-Westfalen

Im Rahmen des BueLaMo ist mit dem NRW-Verkehrsministerium ein derartiges Konzept bereits diskutiert worden. Nunmehr besteht die Aussicht, dass das Land NRW derartige on Demand Projekte fördert. Im Rahmen des angekündigten Förderaufrufs „On-Demand-Ridepooling in Nordrhein-Westfalen“ können die Gemeinden Olfen und Nordkirchen, in Zusammenarbeit mit der RVM sowie die Stadt Selm mit der VKU mit einem gemeinsamen Antrag die Förderung für ihr Gemeinschaftsprojekt  beantragen. Die Förderung erfolgt als Anteilsfinanzierung und ist auf einen Höchstbetrag von 400.000 Euro für die gesamte Projektlaufzeit begrenzt. Der Fördersatz ist degressiv gestaltet: Im ersten Projektjahr beträgt er 50 Prozent, im zweiten Projektjahr 40 Prozent und im dritten Projektjahr 30 Prozent der zuwendungsfähigen Betriebskostendefizite. Der Förderzeitraum erstreckt sich über maximal drei Jahre, und die Projekte können für einen Zeitraum zwischen 24 und 36 Monaten im Zeitraum von 2026 bis 2028 beantragt werden.

Tarifgestaltung

Der Tarif dieser neuen Leistungen muss sich nahtlos in den Westfalentarif und das DeutschlandTicket eingliedern, da für diese Verbindungen bereits gültige Tarife existieren. Für die On-Demand-Verkehre hat der Aufgabenträger gemäß § 3 ÖPNVG NRW die Tarifparameter der Grund- und Lückenschlussmobilität zu berücksichtigen, was auch für die Preisgestaltung des On-Demand-Tarifs gilt. Dazu müssen sich die Antragsteller mit dem Aufgabenträger und dem Kompetenzcenter Marketing (KCM NRW) abstimmen.

 

II. Entscheidungsalternativen

 

Das Konzept für eine pilothafte, bedarfsorientierte Anbindung von Olfen und Nordkirchen an Selm Bahnhof wird nicht weiterentwickelt.

III. Auswirkungen /Zusammenhänge (Finanzen, Personal, IT, Klima)

 

Finanzen:

Das Projekt soll wie folgt finanziert werden: Ein Drittel der Mittel für das Hub-and-Spoke-System wird vom Kreis Coesfeld bereitgestellt (Anbindung eines Bahnhofs außerhalb des Gemeindegebiets), während zwei Drittel der Mittel von den Kommunen Olfen und Nordkirchen übernommen werden. Die erforderlichen Mittel für die Fahrleistungen in den jeweiligen Orten (lokale on demand-Erschließung) sind von den jeweiligen Kommunen allein zu tragen. Zusätzlich können die oben genannten Fördermittel aus dem „Förderaufruf On-Demand-Ridepooling in Nordrhein-Westfalen“ die Umsetzung des Projekts in den Anlaufjahren unterstützen. Gegenüber den heutigen Aufwendungen für die beiden TaxiBus-Linien wird mit einer Erhöhung des kreisseitig getragenen jährlichen Eigenanteils zwischen 10 bis 20 T€ bzw. 30 bis 40 T€ gerechnet (mit bzw. ohne Förderszenario). Dem gegenüber steht ein deutlich verbessertes Fahrtenangebot.

Personal: /

IT:  /

Klima:

Die klimatischen Auswirkungen des On-Demand-Systems sind positiv. Durch die effizientere Nutzung der Fahrzeuge wird der Individualverkehr verringert, was zu einer Reduzierung der CO2-Emissionen führt.

 

IV. Zuständigkeit für die Entscheidung

Kreistag gem. § 26 KrO NRW.