Sitzung des Kreistages des Kreises Coesfeld

Tagesordnungspunkt

TOP Ö 5: Errichtung des Bildungsganges "Gestaltungstechnische Assistentin / Gestaltungstechnischer Assistent und allgemeine Hochschulreife" am Pictorius-Berufskolleg in Coesfeld

BezeichnungInhalt
Sitzung:07.12.2005   KA/018/2005 
Beschluss:ungeändert beschlossen
Abstimmung: Ja: 13, Nein: 4, Enthaltungen: 0, Befangen: 0
Vorlage:  SV-7-0283 

Beschluss:

 

Der Kreisausschuss macht dem Kreistag folgenden Beschlussvorschlag:

 

Am Pictorius-Berufskolleg des Kreises Coesfeld in Coesfeld wird gemäß § 81 Abs. 2 Schulgesetz zum 01.08.2006 der Bildungsgang „Gestaltungstechnische Assistentin / Gestaltungstechnischer Assistent und allgemeine Hochschulreife“ (Anlage D 4 APO-BK) errichtet.

 

 

 

 

 


Ktabg. Bergmann weist einleitend auf die bereits im Schulausschuss vertretene Position der SPD-Kreistagsfraktion hin und macht deutlich, dass niemand gegen den Erwerb der allgemeinen Hochschulreife an den Berufskollegs ist. Die Sicherstellung der Gleichwertigkeit sei aber wichtig.

Die Äußerungen der IHK hätten deutlich gemacht, dass die Errichtung des Bildungsganges zum einen wegen der kritisch zu beurteilenden Perspektiven der Jugendlichen nach Abschluss eines solchen Bildungsganges und zum anderen wegen knapper Mittel insgesamt sehr kritisch zu beurteilen sei.

In finanziell schwierigen Zeiten sei die Finanzierung sowohl der örtlichen allgemeinbildenden Schulen als auch der Berufskollegs kaum zu schultern. So bestünden bereits insgesamt acht Bildungsgänge, die die allgemeine Hochschulreife vermitteln. Nach einer Untersuchung aus Nottuln hätten 23 Schüler das Gymnasium verlassen, wovon zwei Schüler zu einem anderen Gymnasium und die übrigen 21 Schüler zu Berufskollegs gewechselt hätten.

Der bestehende Wettbewerb zwischen den Gymnasien und den Berufskollegs werde begrüßt, jedoch hätten ihm erst vor kurzem Schulleiter von drohenden Klassenschließungen berichtet. Er hält eine Diskussion der allgemeinen Situation unter Einbeziehung der Bürgermeister für geboten. Der Beschlussvorschlag könne so nicht mitgetragen werden, lediglich eine Zurückstellung käme in Betracht.

 

Ktabg. Dinkler appelliert, die in den Leserbriefen geäußerten Befindlichkeiten zurückzustellen. Nach seiner Auffassung müsse der Kreis flexibel auf die Bedürfnisse des Ausbildungsmarktes reagieren. Sofern diese Ausbildung nicht gebraucht werde, erledige sich das Thema von selbst.

 

Ktabg. Kortmann bedauert die Haltung der SPD, den bisherigen Konsens aufkündigen zu wollen. Eine Schließung von Oberstufenklassen an Gymnasien sei nach seiner Auffassung nicht zu befürchten. Die Kreistagsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN werde den Beschlussvorschlag daher mittragen.

 

Ktabg. Stauff erklärt, dass er dem Beschlussvorschlag zustimmen werde, da er es für wichtig halte, Jugendliche weiter zu qualifizieren. Es sei jedoch festzustellen, dass diese anschließend das Geld außerhalb des Kreises Coesfeld verdienen. Die aufgekommene Diskussion um Schließungen von Oberstufenklassen werde auch an anderer Stelle geführt, sie führe jedoch lediglich zur Verunsicherung der Bürger. Dies sollte vermieden werden.

 

Die Sachlage müsse von allen Seiten beleuchtet werden, so Prof. Dr. Voss. Die Reform des Studienwesens hin zu den Bachelor- und Masterabschlüssen setze die allgemeine Hochschulreife voraus, daher sei die Errichtung eines Bildungsganges, der die allgemeine Hochschulreife vermittelt, zu begrüßen.

 

Unter Bezugnahme auf das vom Ktabg. Kortmann geäußerte Bedauern weist Ktabg. Bergmann darauf hin, dass die IHK, die bekanntlich auch auf dem Bildungssektor aktiv sei, sich kritisch zu der Errichtung des Bildungsganges geäußert habe. Die drohende Perspektivlosigkeit der Jugendlichen nach Abschluss des Bildungsganges zwinge zu einer Diskussion. Er verweist hierzu auf den seinerzeit errichteten Bildungsgang des Informationstechnischen Assistenten. Die damaligen Absolventen fänden in diesem Berufsfeld keine Beschäftigung mehr. Es sei eine allgemeine Diskussion über die Schullandschaft, und was sie noch leisten könne, notwendig.

 

LR Püning weist darauf hin, dass es auch in der Vergangenheit entsprechende Errichtungsvorlagen gegeben habe, die die IHK kritisch gesehen habe. Diese Bedenken seien grundsätzlicher Art und auch schon wiederholt geäußert worden. Er fordert eine Vorfahrt für Bildungschancen für die Jugendlichen und sieht in diesem Bildungsgang, der zu seiner Errichtung der Genehmigung der Bezirksregierung bedarf, eine zusätzliche Chance für Jugendliche.


Form der Abstimmung:               offen per Handzeichen

Abstimmungsergebnis:               13 JA-Stimmen

                                                      4 NEIN-Stimmen