AUGEN – BLICK – WINKEL
Engelbert Reineke: Die Fotojournalisten Hans Hubmann (links) und Max Scheeler, 1970 (Bildquelle: Bundesregierung, Engelbert Reineke)
Engelbert Reinekes Momentaufnahmen der Politik
Trotz seiner bedeutenden Aufnahmen, mit denen er viele wichtige Momente der Politik in der deutschen Nachkriegszeit festhielt, wurde Engelbert Reineke bislang noch keine adäquate Einzelausstellung gewidmet. Das ändert sich nun mit einer Werkschau auf Burg Vischering, die vom 1. Februar 2026 bis zum 31. Mai 2026 in den Räumen der Vorburg gezeigt wird. Sie ist einem umfangreichen Schaffen gewidmet: Denn in den Jahren von 1966 bis 2004 war der gebürtige Lüdinghauser als Fotograf des Bundespresseamtes tätig. In dieser ereignisreichen Zeit entstanden nicht nur berühmte Porträts der amtierenden Bundeskanzler; mit viel Gespür für den richtigen Moment setzte der heute 86-Jährige auch bedeutende Ereignisse der deutschen Politik geradezu ikonisch in Szene.
Reineke erschuf Bilder, die bis heute einen prägenden Einfluss auf die Dokumentation der deutschen Politikgeschichte haben. „Mit der Präsentation zeigen wir nicht nur Momente der Zeitgeschichte, sondern geben auch Einblicke in die journalistische Fotografie. Besonders interessiert uns das Spannungsfeld zwischen Fotografie, Politik und Kunst“, betont Kreis-Kulturreferentin Flora Tesch. Gezeigt werden unter anderem originale Abzüge auf Barytpapier aus dem eigenen Bestand Engelbert Reinekes, die der Fotograf dem Museum zur Verfügung stellt. Die Begleittexte der Fotografien werden zum Teil mit Erinnerungen Reinekes unterfüttert. Zu den eindrucksvollen Fotografien, die in der Ausstellung gezeigt werden, gehören unter anderem die bekannte Aufnahme des Kniefalls von Willy Brandt vor dem Ghetto-Mahnmal in Warschau, aber auch einige der letzten Porträtaufnahmen Konrad Adenauers kurz vor seinem Tod.
Im Fokus des anstehenden Themenjahrs „Fotografie und Wahrheit“ wird diese Ausstellung sich der Frage widmen, wie, wann und ob die Lichtbildnerei zur Kunst avanciert und wie sie unsere Wahrnehmung der Welt beeinflusst. Weiter soll auch die Frage nach „Wirklichkeit“ generell thematisiert werden: Die Bilder stellen reale politische Ereignisse dar – inwiefern waren die Darstellungen aber durch die beteiligten Personen beeinflusst? Welche Rolle spielte die damalige Pressefotografie im Vergleich zu heutigen politischen Darstellungen? Erste Antworten auf diese Fragen gibt die Ausstellung in Lüdinghausen ab Februar nächsten Jahres.