Zielgruppenorientiertes Mobilitätsmanagement im Kreis Coesfeld
Gutes Beispiel für schulisches Mobilitätsmanagement: Damit der Schulweg mit dem Bus auch für unerfahrene Kinder reibungslos klappt, führt die RVM Schulbus-Trainings für Schülerinnen und Schüler durch (Foto: RVM)
Vor der Grundschule herrscht am Morgen geschäftiges Treiben: Autos halten in zweiter Reihe, Türen schlagen auf und zu, Kinder steigen hastig aus und suchen sich zwischen rangierenden Fahrzeugen und Radfahrenden ihren Weg. Innerhalb weniger Minuten entsteht eine unübersichtliche Verkehrssituation, die besonders für die jüngsten Verkehrsteilnehmenden eine Herausforderung darstellt. Diese Situation gehört in der Gemeinde Senden weitestgehend der Vergangenheit an, seit dort eine sogenannte „Hol- und Bringzone“ eingerichtet wurde, die den Bring- und Abholverkehr gezielt vom unmittelbaren Schulbereich fernhält.
Solche und andere Maßnahmen sind es, die der Kreis Coesfeld in einem breit angelegten Beteiligungsprozess herausarbeiten und bewerben will. Hierzu soll eine „Strategie für ein zielgruppenorientiertes Mobilitätsmanagement“ erarbeitet werden, um das Thema Mobilität sichtbar zu machen und die selbstbestimmte und selbstständige Mobilität aller Alters- und Nutzungsgruppen zu fördern. Dabei sollen beispielsweise auch die Bedürfnisse von Seniorinnen und Senioren sowie von Menschen mit Behinderung berücksichtigt werden. Barrierefreie, sichere und bedarfsgerechte Mobilitätsangebote sind wichtige Voraussetzungen dafür, dass Mobilität in allen Lebensphasen selbstbestimmt und möglichst unabhängig möglich ist. Dafür sind ab September verschiedene Formate und Workshops geplant, an denen die Bürgerinnen und Bürger, aber auch Unternehmen und weitere Mobilitätsakteure im Kreisgebiet beteiligt werden.
„Wir möchten mit der Erarbeitung der Strategie die selbstbestimmte und selbstständige Mobilität aller Alters- und Nutzergruppen fördern. Sowohl die Formulierung von strategischen Zielen als auch die Ausformulierung konkreter Handlungsansätze sind uns dabei wichtig, um mögliche Verhaltensänderungen in Fragen der individuellen Mobilität zu erleichtern oder herbeizuführen. Es soll vor allem ermöglichen, aus dem Baukastensystem der Maßnahmen vor Ort die passgenaue Lösung zu finden“, erläutert Landrat Dr. Christian Schulze Pellengahr.
Den Beginn machen im September mobile, interaktive Beteiligungsstände, die im Rahmen der Europäischen Mobilitätswoche in Coesfeld (Feierabendmarkt 17.9.), Dülmen (Wochenmarkt 18.9.), Billerbeck (Wochenmarkt 18.9.) und Lüdinghausen (Stadtfest 19.9.) stattfinden, um mit den Bürgerinnen und Bürgern über Mobilität ins Gespräch zu kommen und das individuelle Mobilitätsverhalten zu hinterfragen. In einer weiteren Kommune (Einsatzort noch offen) können Bürgerinnen und Bürger einen Wegweiser mitgestalten und so kurze Wege im Ort sichtbar machen. Wer sein eigenes Mobilitätsverhalten lieber zu Hause am Bildschirm reflektieren möchte, kann an der begleitenden Online-Befragung teilnehmen.
Die schulische Mobilität steht im Fokus, wenn der „BiciBus“ durch den Kreis Coesfeld rollen wird. Die Idee des Fahrrad-Busses stammt ursprünglich aus Barcelona: Von einem Startpunkt aus werden immer mehr Schülerinnen und Schüler einer ausgewählten Grundschule entlang einer festen Strecke auf dem Rad eingesammelt, sodass am Ende eine große Gruppe radelnder Kinder gemeinsam an der Schule ankommt.
Über das Format „Mobi-Lunch“ wird die betriebliche Mobilität unter die Lupe genommen. In zwei regionalen Unternehmen sind „Mobi-Lunches“ geplant, um mit Mitarbeitenden über den täglichen Weg zur Arbeit ins Gespräch zu kommen. Aber auch Themen wie Logistik und Entsorgung werden in einem Expertengespräch beleuchtet. Los geht es mit dem ersten Mobi-Lunch am 5. Oktober bei Firma Parador in Coesfeld.
Darüber hinaus beschäftigen sich drei Workshops mit den verschiedenen Zielgruppen. Die Ergebnisse aus allen Bereichen fließen in das Strategiepapier sowie die abschließende Mobilitätskonferenz im kommenden Frühjahr ein.
Weitere Informationen zu den einzelnen Beteiligungsformaten und der Bürgerbefragung sind zu finden unter: www.coe-mobil.de. Das Projekt läuft bis Ende Frühjahr 2027 und wird gefördert über die Bezirksregierung Münster aus Mitteln des Landeshaushalts NRW.