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Gegen alle Widerstände Haltung gezeigt

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Landrat, Bürgermeister, Künstler, Autor und Gäste der Feierstunde stehen vor dem Gebäude neben einer neu enthüllten Büste mit Gedenktafel.

Lüdinghausens Bürgermeister Ansgar Mertens, Künstler Professor Thomas Duttenhoefer, Autor Dr. Manfred Lütz, Sparkassen-Vorstandsvorsitzender Norbert Hypki, Landrat Dr. Christian Schulze Pellengahr und Gäste der Feierstunde (Bildquelle: Kreis Coesfeld, Thalea Bellin)

Paulus van Husen mit Denkmal und Feierstunde geehrt

„Er war ein beeindruckender charaktervoller Kämpfer für den Rechtsstaat“, so beschreibt Bestsellerautor Dr. Manfred Lütz seinen Großonkel, den Juristen, Offizier und Widerstandskämpfer Dr. Paulus van Husen (1891-1971), dem am vergangenen Samstag (26. September 2026) in Lüdinghausen ein Denkmal gesetzt wurde. Dass seine Haltung vorbildhaft und wohl aktueller ist denn je, war Tenor der fünf Redebeiträge, die nach der offiziellen Enthüllung durch Landrat Dr. Christian Schulze Pellengahr und Norbert Hypki, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Westmünsterland, im Rahmen einer Feierstunde gehalten wurden. Die Büste, die am Alten Landratsamt, der heutigen Sparkassen-Hauptstelle, aufgestellt wurde, hatte Prof. Thomas Duttenhoefer geschaffen, der zu den bedeutendsten deutschen Bildhauern der Gegenwart zählt; finanziert wurde das Werk durch die Sparkasse Westmünsterland. 

Auf diese Weise werde „dauerhaft an eine besondere, vorbildhafte Persönlichkeit erinnert“, betonte Landrat Dr. Christian Schulze Pellengahr und stellte den Ortsbezug her: Paulus van Husen absolvierte im Landratsamt Lüdinghausen eine prägende Station seiner Ausbildung als preußischer Regierungsreferendar – unmittelbar vor und nach dem Ersten Weltkrieg – unter Landrat Otto Graf von Westphalen. Eine solche Enthüllung sei ein nicht alltägliches Ereignis, sondern ein seltener Akt, zu dem der Landrat rund 60 Gäste begrüßen konnte. Sein ursprünglicher Gedanke war, eine Gedenktafel für van Husen anzubringen. Doch der damalige Sparkassen-Vorstandsvorsitzende Heinrich-Georg Krumme erweiterte die Idee und sprach sich direkt für eine Büste aus. Ihm, aber auch seinem Nachfolger Norbert Hypki und dessen Team sprach der Landrat seinen herzlichen Dank für die Umsetzung aus. Paulus van Husen verdiene Respekt für seine klare Haltung. KZ und Schauprozess habe er aus dem Glauben heraus überstanden. 

Norbert Hypki umriss in seiner Begrüßung kurz die Geschichte der Sparkasse und erläuterte deren Selbstverständnis: „Als Sparkasse haben wir ein ureigenes Interesse daran, dass es der Wirtschaft und der Gesellschaft gut geht.“ Die Rahmenbedingungen seien positiv: „Wir leben in einer starken Region, einem tollen Land und einem lebenswerten Europa.“ Hypki betonte: „Wir müssen die Herausforderungen mit realistischen Ansätzen sowie einer grundsätzlich optimistischen Haltung angehen und so für unsere Demokratie einstehen.“

Den Ortsbezug betonte auch Lüdinghausens Bürgermeister Ansgar Mertens in seiner Ansprache. Er erneuerte ein Versprechen, hatte er dem Landrat doch zugesagt, dass in der Steverstadt eine Straße nach Paulus van Husen benannt wird. Damit werde dokumentiert: „Dieser Mann hat hier Verantwortung übernommen. Er hat der Diktatur widerstanden. Und er hat am Rechtsstaat mitgebaut, auf den wir uns heute verlassen.“ Es werde dabei ein ganzes Wohnviertel nach Widerstandskämpfern und anderen aufrechten Persönlichkeiten benannt. Gerade heute sei es wichtig, zu zeigen, wozu Widerstand und Mut führen können, unterstrich Mertens. Dass diese Botschaft nun an diesem besonderen Ort sichtbar wird, mache ihn als Bürgermeister dieser Stadt sehr stolz.

Dr. Manfred Lütz betonte, dass nicht Familienstolz sein Motiv für die Auseinandersetzung mit Paulus van Husen sei; eine Würdigung dieser beeindruckenden Persönlichkeit sei gerade in der jetzigen Zeit wichtig, habe er doch gegen alle Widerstände Haltung gezeigt. Dr. Lütz umriss das Selbstverständnis seines Großonkels: „Er war so knackig katholisch, mehr als ein Bischof.“ Nirgendwo habe es so viel „Madonnen-Darstellungen pro Quadratmeter“ gegeben wie in van Husens Zuhause, schilderte Dr. Lütz. Die christliche Haltung habe Paulus van Husen stets getragen.

Galeristin Dr. Gabriele Hovestadt, die den Kontakt zwischen dem Kreis Coesfeld und Professor Thomas Duttenhoefer vermittelt hatte, stellte den Künstler in einem Interview vor – zusammen mit Steinmetz Rutger Schwarz, der den Sockel für die Bronzebüste geschaffen hat. Duttenhoefer sei in seinen Porträts stets nah am Menschen. Der Bildhauer selbst hielt fest: „Ein posthumes Portrait zu modellieren, ist ohne die Erfahrung mit dem lebenden Modell schwer möglich“, es bliebe ohne Ausdruck. Doch hier helfe die Recherche: Die Kenntnis der jeweiligen Zeitumstände politischer und kultureller Phänomene beim posthumen Portrait dient zur Grundierung der Gestaltung. „In den momentanen Zeitläuften ist die ehrende Aufstellung einer als Vorbild dienenden Persönlichkeit wie Paulus van Husen wichtiger denn je“, hob Duttenhoefer hervor. 

Landrat Dr. Schulze Pellengahr stellte den Psychiater, Psychotherapeuten und Theologen Dr. Manfred Lütz vor, der im zweiten Teil der Veranstaltung aus dem Buch vortrug: “Als der Wagen nicht kam: Eine wahre Geschichte aus dem Widerstand”, einem autobiographischen Text von Dr. Paulus van Husen, den Lütz im Nachlass seines Großonkels entdeckt und vor einigen Jahren herausgegeben hat. Lütz trug zentrale Passagen aus dem Buch vor, insbesondere mit Bezug zu Lüdinghausen. 

Als Mitglied der Widerstandsgruppe „Kreisauer Kreis“ wurde der gläubige Katholik Paulus van Husen 1944 von der Gestapo verhaftet und im KZ Ravensbrück inhaftiert. Auch im Nachkriegsdeutschland hat van Husen Geschichte geschrieben, wurde er doch erster Präsident des 1952 errichteten Verfassungsgerichtshofs für das Land Nordrhein-Westfalen – nachdem er zuvor zum Präsidenten des Oberverwaltungsgerichts für das Land Nordrhein-Westfalen in Münster berufen worden war. 1959 ging van Husen in den Ruhestand. 

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