Haushaltsentwurf für 2027 eingebracht
Landrat Dr. Christian Schulze Pellengahr bei seiner Haushaltsrede im Kreistag (Foto: Kreis Coesfeld).
Landrat und Kreisdirektor wollen gemeinsam besser bleiben
Die Einbringung des Haushaltsentwurfs für 2027 stand im Mittelpunkt der Kreistagssitzung am Mittwoch, den 4. November 2026. Landrat Dr. Christian Schulze Pellengahr und Kreisdirektor Dr. Linus Tepe als Kämmerer erörterten die Eckpunkte des Haushalts für 2027 und legten dem Kreistag die im kommenden Jahr zu erwartenden Erträge und Aufwände des Kreises vor.
Der Haushaltsentwurf 2027 mit dem Titel „#wirfüreinander“ sieht Erträge in Höhe von rund 593,6 Mio. € vor. Dem stehen Aufwendungen in gleicher Höhe gegenüber, sodass ein ausgeglichener Haushaltsentwurf präsentiert werden kann. Der Zahlbetrag der Kreisumlage allgemein 2027 liegt im kommenden Jahr bei 150,87 Mio. €; 2,62 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr, also rund 9,75 Mio. €. Das entspricht einem Hebesatz von 36,52 Prozent. Die Steigerungen ergeben sich im Wesentlichen aus den Tarifsteigerungen für das Personal, den höheren Zahlungen des Kreises an den Landschaftsverband Westfalen-Lippe (rund +3,71 Mio. Euro), weiteren Kostensteigerungen im Bereich Soziales und Jobcenter (+2,2 Mio. Euro) sowie wegfallenden Förderungen im Bereich des ÖPNV (rund 1 Mio. Euro) und dem Pakt für den öffentlichen Gesundheitsdienst (1,7 Mio. Euro). Die Jugendamtsumlage steigt ebenfalls: Der Hebesatz erhöht sich von 21,28 % auf 21,91 %, der Ansatz von 54,69 Mio. € auf 55,85 Mio. €. Das sind 1,17 Mio. € mehr.
In seiner Haushaltsrede stellte Landrat Dr. Christian Schulze Pellengahr den Haushaltsentwurf unter das Leitmotiv „#wirfüreinander“ und betonte den Zusammenhalt sowie die gemeinsame Verantwortung von Kreis, Städten und Gemeinden. Trotz internationaler Krisen, wachsender Anforderungen an den Bevölkerungsschutz und einer weiterhin äußerst angespannten kommunalen Finanzlage bleibe der Kreis Coesfeld handlungs- und gestaltungsfähig. Dies sei einer soliden wirtschaftlichen Basis, der verlässlichen Zusammenarbeit innerhalb der kommunalen Familie und der engagierten Bürgerschaft im Kreis Coesfeld zu verdanken. Er hob allerdings auch hervor, dass Krisenvorsorge und Katastrophenschutz zunehmend an Bedeutung gewännen und daher besonders im Fokus der kommenden Jahre stünden. Mit Blick auf die finanziellen Herausforderungen betonte er, dass der Kreis eigene Standards und Ausgaben kritisch prüfe und Konsolidierungsmaßnahmen bereits eingeleitet habe.
„Konsolidierung bedeutet nicht Stillstand“, unterstrich Dr. Schulze Pellengahr. Zukunftsinvestitionen blieben deshalb ein Schwerpunkt, wie etwa die Sanierung der Berufskollegs, die neue Kreisleitstelle oder das neue Kreiszentralarchiv unter Beweis stellen. So schlug er denn auch den Bogen zur interkommunalen Zusammenarbeit, die weiter vertieft werden solle, um Aufgaben gemeinsam effizient und bürgernah zu erfüllen. So fasste er abschließend zusammen: „Der vorliegende Haushaltsentwurf verbindet notwendige Konsolidierung mit Zukunftsinvestitionen. Er setzt Prioritäten. Er schützt die Handlungsfähigkeit des Kreises. Und er schafft die Voraussetzungen dafür, dass wir auch in Zukunft ein lebenswerter, wirtschaftsstarker und handlungsfähiger Kreis bleiben, der Zusammenarbeit ‚groß‘ schreibt.“
Kreiskämmerer Dr. Linus Tepe ordnete anschließend die Kernzahlen des Haushalts ein und stellte die angespannte Finanzlage der kommunalen Familie in den Mittelpunkt. Die finanzielle Situation der Städte und Gemeinden sei so herausfordernd wie seit Jahrzehnten nicht mehr. „Die Kommunen sind am Limit. Sie haben (fast) nichts mehr“, beschrieb Dr. Tepe die Situation.
Gleichzeitig betonte Dr. Tepe, dass die Städte und Gemeinden im Kreis Coesfeld im Landesvergleich weiterhin vergleichsweise stabil dastünden. Dies sei das Ergebnis kluger Haushaltsbewirtschaftung in der Vergangenheit und einer verlässlichen Partnerschaft zwischen Kreis und kreisangehörigen Kommunen: Seit Unterzeichnung des Letter of Intent hat der Kreis rund 23 Mio. € an Verbesserungen und Eigenkapital an die Kommunen zurückgegeben. „Das war keine kurzfristige Entlastung. Das war eine strategische Entscheidung“, so Dr. Tepe.
Finanziell bleibt der Haushaltsentwurf 2027 anspruchsvoll. Die Zahllast aus der allgemeinen Kreisumlage steigt. Dennoch liegt der Entwurf bereits rund 2 Mio. € unter der bisherigen Mittelfristplanung. Der Kreis habe seine eigenen Ansätze kritisch geprüft und diszipliniert geplant. Eine Ausweitung der freiwilligen Leistungen sei weiterhin nicht vorgesehen. Die Quote liegt bei 0,8 % der Gesamtaufwendungen. Das Ziel bleibe ein maximal kommunalfreundliches Handeln. Zugleich müssten auch die Städte und Gemeinden ihren Beitrag zur Haushaltskonsolidierung leisten: „#wirfüreinander heißt: 11 + 1.“
Inhaltlich setzt der Haushalt 2027 auf Verantwortung, Verlässlichkeit und die Weiterentwicklung der Kreisverwaltung. Hohe Kostensteigerungen im Sozial- und Jugendbereich, insbesondere bei der Pflege, den erzieherischen Hilfen und der Schulbegleitung, stellen den Kreis vor Herausforderungen. Gleichzeitig investiert er in Digitalisierung und den Einsatz Künstlicher Intelligenz. Ein Softwareroboter spare bereits heute jährlich mehr als 1.000 Arbeitsstunden. Auch der ÖPNV wird trotz angespannter finanzieller Rahmenbedingungen bedarfsgerecht weiterentwickelt. Künftig sollen vor allem punktuelle Verbesserungen und nachfrageorientierte Anpassungen im Mittelpunkt stehen.
Zusammenfassend stellte Dr. Tepe fest: „Der Kreishaushalt 2027 ist kein Haushalt der großen Wünsche. Er ist ein Haushalt der Verantwortung.“ #wirfüreinander könne damit auch Leitmotiv für die anstehenden Haushaltsberatungen sein, um so gemeinsam an einem handlungsfähigen Kreis, starken Städten und Gemeinden und vor allem einem lebenswerten Umfeld für die Menschen im Kreis Coesfeld zu arbeiten.
In den kommenden Wochen werden nun die Haushaltsberatungen der politischen Gremien folgen, am 9. Dezember 2026 wird im Kreistag über das Zahlenwerk entschieden.